Vernissagen/ Finissagen

Ira Konyukhovas, Marc Lee, Lena Policzka: captured in-between

Ausstellungseröffnung

Wir leben in Zeiten komplexer, tiefgreifender Veränderungen, die maßgeblich durch den alle Lebensbereiche durchdringenden Kapitalismus und den Siegeszug digitaler Daten geprägt sind. Die Folie, auf der sich unsere Realität entfaltet, wird kontinuierlich durch wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Innovationen erweitert und verändert, die wiederum wirtschaftlich verwertet, und in den Dienst des Kapitals gestellt werden. In einer Welt, in der Science Fiction allmählich zur Realität zu werden scheint, wird die Frage immer drängender, wie wir in Zukunft als Individuen und Gesellschaft leben wollen, denn das utopische Versprechen unserer Wohlstandsgesellschaft verwandelt sich zusehends in ein dystopisches Szenario. Digitale Datenströme und Algorithmen beeinflussen mehr und mehr unsere Identität und mit ihr unsere Wünsche und Ängste. In den demokratischen Gesellschaften des 21. Jahrhunderts lässt sich offenkundig nur noch schwerlich ein gemeinsamer Konsens finden und so prallen in den Medien und auf etlichen Plattformen im Internet die verschiedensten Meinungen aufeinander. Die Verbindung von Mensch und Maschine, die durch die allgegenwärtigen Technologien und den damit einhergehenden Möglichkeiten bereits ihren Anfang genommen hat, ist für die einen erstrebenswerte Utopie, in der der menschliche Drang nach Selbstoptimierung seinen Höhepunkt erreicht, für die anderen jedoch die schlimmste vorstellbare Dystopie, in der unsere individuelle Freiheit immer mehr beschnitten, und unsere physische Existenz zunehmend in Frage gestellt wird. Führen die Heilsversprechen unserer Wohlstandgesellschaft und der digitalen Technologien nun also zu einer besseren, lebenswerteren Welt oder läuft die Menschheit Gefahr, in ihrem Streben nach Fortschritt und Selbstoptimierung die eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören und zu einer digitalen Hülle ihrer Selbst zu werden? Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler setzen sich mit den schier unerschöpflichen Thematiken auseinander, die im Zusammenhang mit der kapitalistischen und digitalen Durchdringung unserer Lebenswelt stehen und nutzen zur kritischen Reflektion die gesamte Palette verfügbarer Medien. Die Ausstellung captured in-between präsentiert mit Ira Konyukhova, Marc Lee und Lena Policzka exemplarisch drei künstlerische Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem schmalen Grad auseinandersetzen, der zwischen den Utopien und Dystopien unserer gegenwärtigen Lebenswelt herrscht.
Ira Konyukhovas (*1984, Udomlja, Russland) Arbeiten befassen sich mit der Frage, inwieweit wir neue Technologien als Bedrohung oder als zivilisatorischen Fortschritt wahrnehmen und befinden sich somit genau an der Schnittstelle, an der sich der schmale Grad zwischen Utopie und Dystopie offenbart. Kritisch reflektiert Konyukhova die Auswirkungen der medial verbreiteten, omnipräsenten Aufmerksamkeitsökonomie auf die Demokratie und die Konstruktion von Identität. Ihre Werke kreisen immer wieder um die Frage, inwiefern und auf welchem Weg medial vermittelte politische Inhalte Einfluss auf die Gesellschaft und das einzelne Individuum nehmen. Philosophische Fragestellung die insbesondere den Technofeminismus, koloniale technologische Praktiken sowie die Chancen und Gefahren Künstlicher Intelligenz in den Blick nehmen, stehen außerdem im Zentrum ihrer Skulpturen, Videoarbeiten und multimedialen raumgreifenden Installationen. Ira Konyukhova hat von 2014 bis 2017 Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HFG) studiert. Zuvor studierte sie Physik in Moskau und Bildende Kunst an der Kunsthochschule Mainz. Website: https://www.kair98.com

Marc Lee (*1969, Knutwil, Schweiz) kreiert netzwerkorientierte interaktive Installationen, Performances, Videoarbeiten und VR-Arbeiten. Er experimentiert mit Informations- und Kommunikationstechnologien und beschäftigt sich mit den Mechanismen, die kreative, kulturelle, soziale, ökonomische und politische Prozesse im Internet offenlegen. Seine Arbeiten nehmen die globalisierte und digitalisierte Welt als Ausgangspunkt und zeigen wie mit Hilfe digitaler Kommunikation unsere persönlichen Daten - gewollt oder ungewollt - zur Ware werden und unser Denken und Handeln steuern. Marc Lee hat von 2000 bis 2003 an der Züricher Hochschule der Künste (ZHdK) Medien & Kunst und Mediale Künste studiert. Zuvor studierte von 1995 bis 1999 er an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel Bildende Kunst. Website: http://marclee.io/de/home/

Im Zentrum von Lena Policzkas (*1987 Penzberg) künstlerischen Praxis steht eine konzeptionelle Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Konventionen unserer postindustriellen, vom technologischen Fortschritt bestimmten Welt, die zu Phänomenen der Natur ins Verhältnis gesetzt werden. Die fortlaufende Werkreihe Rush beschäftigt sich z.B. mit der Frage, ob die Menschheit die Natur als maßgebliche, unsere Umwelt gestaltende Kraft abgelöst, und somit die seit jeher geltenden Gesetze der Evolution ausgehebelt hat. Für die Ausstellung „Captured in between U- and Dystopia“ hat die Künstlerin eine raumgreifende Installation bestehend aus der Videoarbeit Rush: Trojan Horse und der Skulptur Rush: Deposition of Utopia entwickelt, die metaphorisch den menschlichen Drang nach Fortschritt und Selbstoptimierung veranschaulichen, um ihn als unumgängliches Verhängnis zu entlarven. https://www.lenapoliczka.com

Quelle: Veranstalter

Wann Wo
18.09.2020, 18:00 - 22:00 Uhr

Kunstverein Friedrichshafen

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Friedrichshafen



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Telefon: 07541/ 21950

https://kunstverein-friedrichshafen.de


Veranstaltungsort

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Buchhornplatz 6

88045 Friedrichshafen


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